Zum ersten Mal las ich von Istanbuls Zisternen im Roman "Baudolino" von Umberto Eco, in dem der Titelheld eine Zisterne unterhalb der Hagia Sophia zur Flucht nutzte. Ich war fasziniert und setzte schon deshalb Istanbul auf meinen nächsten Reiseplan. Und die Realität war sogar noch atemberaubender als ich es mir hätte vorstellen können.
Die Cisterna Basilica (auf türkisch Yerebatan Sarnıcı) unweit der Hagia Sophia ist die schönste Zisterne der Stadt; mit atmosphärischer Beleuchtung und mit leiser Musik wird eine fast andächtige Stimmung erzeugt. Stolze Säulen spiegeln sich im nun niedrig stehenden, ruhigen Wasser, in dem von Zeit zu Zeit Fische und Münzen auffunkeln.
Die Säulen selbst stammen aus alten Tempeln - eine spätantike Form des Recyclings. Besonders erstaunlich sind die beiden riesigen steinernen Medusenhäupter, die man beim Bau der Zisterne im 6. Jahrhundert als Baumaterial verwendet hatte. Sie wurden auf die Seite beziehungsweise auf den Kopf gestellt, sodass der Betrachter nicht Stein erstarre...
Übrigens wird vermutet, dass eine Zisterne unterhalb der Hagia Sophia dafür verantwortlich ist, dass sich ihre berühmte schwitzende Säule mit Kondenswasser überzieht und sich dadurch feucht anfühlt.
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